Musikalischer Leckerbissen in der Vorweihnachtszeit

Das dürfte für den Evangelischen Posaunenchor Groß-Felda eine Riesenüberraschung zu seinem Geburtstagskonzert gewesen sein: Der Auftritt zweier absoluter Weltstars in der Groß-Feldaer Kirche ! Nicht einmal den Initiatoren der Abendmusik zum 1. Advent war bekannt, welche Hochkaräter der klassischen Musik, Dr. Hans-Jürgen Gerlach aus Biebertal als Gesangssolisten mitgebracht hatte. Karen-Eldred Stephan (Sopran) und Erwin Stephan (Tenor) vertauschten die Bretter berühmter amerikanischer und europäischer Weltbühnen mit dem schlichten Ambiente der Groß-Feldaer Kirche und waren überrascht, ob der Qualität dieser Abendveranstaltung. Neben diesen beiden großen Namen gestalteten Dr. Hans Jürgen Gerlach (Flügel und Orgel), Jörg Helf (Klarinette und Saxophon), der Gesangverein Windhausen unter der Leitung von Hans Appel, Pfarrer Ernst-Detlef Flos, sowie der Posaunenchor Groß-Felda und dessen Nachwuchsbläserinnen und –bläser ein fast zweieinhalbstündiges Konzert, bei dem niemals Langeweile aufkam und das von einem zum anderen Höhepunkt eilte. In der vollbesetzten Kirche erlebten die Besucher viele Facetten der Musik von der Klassik, über swingende Musik bis hin zu Chorälen und Weihnachtsliedern. Der Erlös dieses Abends, bei dem die Mitwirkenden alle ohne Gage auftraten und sogar der Flügel vom Pianohaus in Lollar extra kostenlos angeliefert wurde, wird je zur Hälfte für die Restaurierung des „Roth Epitaphs“ und für Nachwuchsarbeit im Posaunenchor verwendet. Eine solche Veranstaltung dürfte für die Zukunft kaum zu toppen sein, so der Vorsitzende des Posaunenchores Gerhard Zulauf , nach der Veranstaltung.

 

Mit dem „Offertorio“ von Domenico Zipoli eröffnete der bekannte Orthopäde und Handballtrainer Dr. Hans-Jürgen Gerlach an der Orgel den Abend. Gleich hier wurde deutlich mit welcher Sicherheit und wie gefühlvoll er sein Spiel präsentierte. Es folgte mit einem Doppelchor „Herr, wenn ich nur dich habe“ von Heinrich Schütz der Posaunenchor unter der Leitung von Herbert Schott. Es gelang den Bläserinnen und Bläsern mit ihrem gekonnten Vortrag ein guter Einstieg in das noch folgende Programm. „Die Himmel rühmen“ so der Titel von Tenor Erwin Stephan, der dabei von Dr. Gerlach am Flügel begleitet wurde. Hier wurde den Zuhörern erstmals bewusst, dass hier ein ganz Großer vor ihnen steht. Erwin Stephan stammt aus Worms, wuchs in einer Musik liebenden Familie auf und sang schon früh in einem Knabenchor. Später studierte er Gesang an den Hochschulen für Musik in Frankfurt, Detmold und Berlin. Er vervollständigte sein Studium an der Indiana-University in Bloomington/Indiana (USA) Der Beginn seiner Bühnenlaufbahn als Heldentenor fixiert Stephan auf 1984. Bereits 1985 sang er den Tannhäuser in Mainz, Dortmund und – alternierend mit Rene Kollo- in Genf, wo die internationale Fachwelt auf ihn aufmerksam wurde. Die Gastspiele im Ausland auf weltberühmten Bühnen nahmen zu, wobei er sein USA Debüt in 1989 an der Seattle Opera in Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ gab. In der Fachwelt gehörte er in dieser Zeit zu den fünf besten „Wagner-Tenören“ der Welt, wobei der „Tannhäuser zu seinen meistgesungenen Partien gehört. Für seinen ersten Musikbeitrag erhielt er vom begeisterten Publikum großen Beifall. Weitere Solo-Stücke waren, „Selig sind, die Verfolgung leiden“,  das „Ave Maria“ und auch später, unter standing Ovations, noch als Zugabe das „Wolgalied“.

 Nach einer Begrüßung durch den Vorsitzenden des Posaunenchore Gerhard Zulauf konnte der Blechbläser- und Klarinettennachwuchs des Posaunenchores erstmals in der Öffentlichkeit zeigen was sie in einem dreiviertel Jahr bei ihren Ausbildern Dirk Weber und Kai-Michael Horst gelernt haben. Mit einer Jungbläser Intrade zeigten die Jungen und Mädchen, wie weit mit viel Fleiß und Ausdauer in so einer kurzen Zeit kommen kann. Von dem Klarinettennachwuchs waren ein Menuett und ein Trio aus den bekannten „Kegelduetten“ zu hören. Beide Gruppen wurden mit einem stürmischen Applaus für ihr Spiel belohnt.

Nächster Programmpunkt war das Klarinettenkonzert A-Dur von Mozart, gespielt von Jörg Helf an der Klarinette, begleitet von Dr. Gerlach am Flügel. Helf wechselte im Laufe des Abends bei seinen Beiträgen auch zum Tenor -Saxophon und konnte zeigen, dass er sein Fach versteht. Langsame, fast sentimentale Stücke wie „Where ´re you walk“ von G.F. Händel, der Wedding-Song von Kenny G., sowie der virtuose Vortrag „Nimble Fingers von „Duke“ Rehl begeisterten die Zuhörer vollauf. Bevor nun die Gemeinde den Adventschoral „Macht hoch die Tür“ sang, Pfarrer Los eine erste Lesung hielt  und der Gesangverein Windhausen mit „Sancta Maria“ von Johannes Schweitzer seine aufsteigende Form unter Beweis stellte, hatte die Sopranistin Karen-Eldred Stephan ihren ersten Auftritt an diesem Abend. Mit dem „Agnus Dei“ von Bizet zeigte sie bereits ihr großes Stimmvolumen, durch ein zauberhaftes, dunkles Timbre und eine Höhe mit enormer Strahlkraft. Karen Eldred wurde in New York geboren und wuchs in Massachusetts auf. Mit 15 Jahren fiel ihre schöne Stimme auf, als sie in Kirchen und bei Veranstaltungen sang. Nach dem College Abschluss studierte sie zunächst Schauspiel in Boston. Das Hauptinteresse galt aber seit jeher dem Singen und sie wurde als Volks- und Musicalsängerin entdeckt. In allen Metropolen der Welt gab sie viele Konzerte. Trotz aller Erfolge gehört ihre große Liebe dem Operngesang. Bei berühmten Gesangslehrern entwickelte sie ihre Stimme zu einem dramatischen Sopran. Der Wagnerverband New York verlieh ihr ein Stipendium für ihre Ausbildung zum Wagnergesang. Zu ihrem Repertoire gehören Partien wie Brünnhilde, Senta, Elisabeth, Venus Leonora in Fidelio sowie Turandot  von Puccini. Ihr weiterer Weg führte sie an alle bekannten Opernhäuser der Welt, wo sie auch ihren jetzigen Mann Erwin Stephan kennen lernte. Weitere Gesangsvorträge als Solistin waren das Lied „Joseph, lieber Joseph mein“, „Ombra ma fui“ sowie „Cantique de Noel“.

Im Duett mit ihrem Mann Erwin begeisterten sie das Publikum mit den Weihnachtsliedern „Süßer die Glocken“ und „Leise rieselt der Schnee“ sowie vor dem offiziellen Ende mit dem Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“. Bei allen Vorträgen wurden sie von Dr. Gerlach am Flügel begleitet und im Gespräch mit Karen Eldred-Stephan lobte diese das Einfühlvermögen des Pianisten, der sich nicht in den Vordergrund spielt und den Sängern eine echte Chance gibt.

Dr. Hans Jürgen Gerlach war noch im Laufe des Programms mit dem „Inpromtu“ von Franz Schubert, „Berceuse“ von Cloderel am Flügel und mit „Elevazione“ von  Domenico Zipoli an der Orgel zu hören. Zwischen den Gesangsvorträgen der Gäste zeigten die Trompeten des Posaunenchores mit einer Suite für drei Trompeten und das „tiefe Blech“ mit „Dance and Prayer“ aus Hänsel und Gretel von E. Humperdinck, dass man nicht immer im großen Chorverband spielen muss. Die Sängerinnen und Sänger aus Windhausen bekamen für ihren Vortrag „Der Schlüssel zum Glück“ wie alle Interpreten des Abends spontanen und lang anhaltenden Beifall. Der Nachwuchs hatte mit dem Choral „Morgenlicht leuchtet“ einen weiteren Auftritt und zeigt mit dem Stück „Swing along“, dass auch die moderneren Klänge von ihnen schon beherrscht werden. Dem schloss sich der Klarinetten Nachwuchs mit „Swing low sweet Cheriot“ und der Posaunenchor mit „Josua fit the battle of Jericho“ und „Michael, row the boat ashore“, unterstützt mit Schlagzeug, an. Beim Gemeindechoral „Tochter Zion“ zeigten die Trompeter Manfred Dreiucker und Dirk Weber, dass sich ihr Einsatz im Auswahlchor „Brass ON“ bei Landsposaunenwart Albert Wanner für ihre weitere bläserische Entwicklung lohnt, indem sie mit einer lupenrein gespielten Oberstimme brillierten. Mit einer weiteren Lesung, dem Vaterunser und dem Schlusssegen entließ Pfarrer Flos die begeisterte Gemeinde und Vorsitzender Zulauf sowie Chorleiter Herbert Schott überreichten noch Blumen und kleine Geschenke an die Solisten des Abends. Im Anschluss feierte man noch den Geburtstag des Posaunenchores mit den Gästen im benachbarten Gemeindezentrum und überall war man voll des Lobes, ob dieses gelungenen Abends. xposübersicht1

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